KSTA: Mit neuer Schiene gegen das Schnarchen

Weltweite Exporte Kölner Familienunternehmen entwickelt Schiene gegen das Schnarchen
 
Köln – Spätestens ab der Lebensmitte steigt bei vielen Menschen der Lärmpegel im Schlafzimmer, denn bundesweit 60 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen sind Schnarcher.
 
Fahri Yildiz (62) will das ändern. Der Hals-Nasen-Ohrenarzt (HNO) hat sich dem Kampf gegen das Schnarchen verschrieben und gleich mehrere Produkte erfunden, die helfen sollen, das laute Röcheln zu unterbinden. „Das hier ist eine Weltneuheit“, sagt Yildiz und könnte das kleine Ding locker mit einer Hand umfassen. Er ist der Erfinder einer Schnarchschiene der besonderen Art und bringt sie nun mit seiner Firma Tomed weltweit auf den Markt.
 
Unternehmenssitz in Junkersdorf – weltweite Exporte
 
Vor einem Jahr hat der Mediziner zusammen mit seinen beiden Töchtern das in Süddeutschland beheimatete medizintechnische Unternehmen Tomed gekauft. Der Unternehmenssitz wurde nach Junkersdorf verlegt. Heute beschäftigt das Unternehmen sieben Mitarbeiter, davon vier Familienmitglieder. Exportiert wird weltweit.
 
Zum Sortiment gehören Hilfsmittel gegen Schnarchen und nächtliche Atemaussetzern (Apnoe) sowie medizinische Produkte für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Dieser Bereich wurde beim Kauf mit übernommen. Im Jahr 2016 machte Tomed einen Umsatz von mehr als einer Million Euro. Den Alltag als Unternehmer teilt sich Fahri Yildiz mit seiner Frau und den Töchtern Aylin (30) und Suzan (27), die beide ihren Master mit den Schwerpunkten Marketing und Medienwirtschaft gemacht haben.
 
Besonderes thermoplastisches Material
 
Das Besondere an der neuen Schiene ist zum einen das Material. Lange hat Yildiz an der Zusammensetzung des thermoplastischen Stoffes getüftelt. Jetzt ist die Kombination patentiert und wird in Langenfeld gefertigt. Und so geht’s: Der Benutzer nimmt die vorgefertigte „Roh-Schiene“, legt sie zu Hause in heißes Wasser und stülpt sie dann über obere und untere Zahnreihe.
 
Damit macht er seinen eigenen Abdruck und kühlt die Form anschließend in kaltem Wasser. Wenn das beim ersten Mal nicht klappt – macht nichts. Der Vorgang kann wiederholt werden, ohne dass Funktion und Material leiden, sagt Yildiz. Beide Abdrücke werden seitlich mit einem Scharnier verbunden – ein Mini-Schraubenschlüssel wird mitgeliefert – und so eingestellt, dass der Unterkiefer leicht nach vorn geschoben wird. Damit soll das Schnarchen verhindert werden, das vor allem durch das Liegen auf dem Rücken begünstigt wird.
 
Und so funktioniert’s:
 
Der Vorteil: Schnarcher, die diese Schiene nachts tragen, können ihren Mund öffnen, was bei anderen Schienen dieser Art so bislang nicht möglich war. Mit Schnarchschienen generell wird der Unterkiefer nach vorn verlagert und die erschlaffte Rachen- und Zungenmuskulatur samt Gaumensegel und Zäpfchen unterstützt, damit die Atemwege sich nicht verengen.
 
Vibration und Flattern des Weichteilgewebes würden verringert oder im besten Fall sogar verhindert, erklärt Yildiz. Die Schiene eigne sich zudem als Einsteigermodell, hält aber wie die herkömmlichen Schienen eineinhalb bis zwei Jahre. Mit weniger als 200 Euro ist sie vergleichsweises ein Schnäppchen auf dem Markt der Anti-Schnarchhilfen. Modelle, die individuell angepasst werden, kosten oft 800 bis 1800 Euro.
 
Mit einem Stipendium in die USA
 
Seine Laufbahn als Arzt, langjähriger Chef der HNO-Abteilung in der Pan-Klinik in Köln und derzeit als Unternehmer, ist Fahri Yildiz nicht in die Wiege gelegt worden. Er wurde als zehntes von elf Kindern geboren. Seine Familie lebte in einem kleinen Bergdorf im Nordosten der Türkei. Sein Vater starb, als Fahri 14 Jahre alt war. Mit 16 verließ er sein Elternhaus.
 
Dank eines Stipendiums ging er in die USA, wo er sein Abitur machte und Ingenieur werden wollte. Dass er Medizin studierte, lag an seinem Nachbarn, einem Arzt, den er zutiefst bewunderte. Damit war sein Weg vorgezeichnet. Fahri Yildiz kam nach Deutschland, musste sich Geld leihen, um am Goethe-Institut Deutsch zu lernen.
 
Yildiz trägt selbst auch eine Schnarchschiene
 
Er studierte in Ulm und Hannover, wurde HNO-Facharzt sowie Facharzt in Anästhesiologie und Intensivmedizin. Seinen Wohnsitz von Süddeutschland nach Köln verlegte er, als die Partei „Die Republikaner“ im Süden des Landes in die Parlamente einzog. „Ich wollte, dass meine Töchter in einer liberalen und weltoffenen Stadt groß werden. Deshalb bin ich 1990 nach Köln gezogen.“ Und geblieben.
 
Fahri Yildiz, der selbst eine Schnarchschiene trägt, war bei Neuerungen fast immer ganz vorn dabei, sei es bei Laser-Operationsverfahren, bei Therapien und Eingriffen, um Schnarchern und Patienten mit nächtlichen Atemaussetzern zu helfen. Yildiz: „Ich habe quasi die Säuglingszeit des Schnarchens mitgemacht.“ Derzeit entwickelt er ein Sensorband, das man sich wie einen Gürtel um den Brustkorb legt. Kaum rollt man auf den Rücken, geben die Sensoren Laut, sodass der Schläfer sich wieder seitlich dreht. Im Sortiment gibt es bereits ein Schnarcher-Shirt, das man mit einer Rolle im Rücken so präparieren kann, dass einem die Lust auf die Rückenlage vergeht.
 
Von Marie-Anne Schlolaut
Quelle: www.ksta.de/koeln/weltweite-exporte-koelner-familienunternehmen-entwickelt-schiene-gegen-das-schnarchen-25500076
Foto: Michael Bause

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